Inspiricon Verzahnung horizontale vertikale Integration

Horizontale und vertikale Integration – die Verzahnung bringt‘s

Hallo zusammen,
nachdem wir uns im ersten Artikel zum Thema Unternehmensplanung zunächst auf einleitende Theorie konzentriert haben, geht es heute um die folgenden beiden Themen:
a)    Die horizontale Integration der Planung
b)    Die vertikale Integration der Planung

Horizontale Integration

Die horizontale Integration der Planung spiegelt den Zeithorizont der Planung wieder. Der Planungshorizont legt den Zeitraum fest, welcher durch die Planung abgedeckt werden soll. In der wissenschaftlichen Literatur ist eine Einteilung der Planung nach zeitlichen Dimensionen weit verbreitet. Es werden in der Regel folgende Zeiträume unterschieden:

  • Die kurzfristige Planung (bis zu einem Jahr)
  • Die mittelfristige Planung (von ca. zwei bis fünf Jahre)
  • Die langfristige Planung (über fünf Jahre)

Die kurzfristige Planung ist eine Feinplanung und weist einen relativ hohen Konkretisierungsgrad auf. Der Planungszeitraum von einem Jahr lässt sich bedarfsweise in Quartale, Monate, Wochen oder sogar Tage untergliedern. Aufgrund der Vollständigkeit, Differenziertheit und Flexibilität wird die Realisierungswahrscheinlichkeit der kurzfristigen Planziele als relativ hoch angesehen.

Die mittelfristige Planung untergliedert den langfristigen Plan in Unterpläne, wobei sich entsprechend der Unterordnung zur langfristigen Planung der Detaillierungsgrad vergrößert. Vergleichsweise zur kurzfristigen Planung ist Vollständigkeit, Differenziertheit und Flexibilität geringer. Sie steht im gleichen Verhältnis zur langfristigen Planung wie die kurzfristige zur mittelfristigen.

Die langfristige Planung hat als oberste Priorität die Sicherstellung des langfristigen Bestehens des Unternehmens. Sie ist eine globale Planung auf hochaggregierter Ebene mit dem Fokus auf Innovation, Technologien, Diversifikation und anderen für das Unternehmensbestehen wichtigen Themen.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die horizontale Integration den Zeitablauf abbildet. Je weiter man in die Zukunft blickt, desto mehr fasst man die zu planenden Elemente zusammen. Je kürzer der Betrachtungswinkel ist, desto granularer muss man planen.

Vertikale Integration

Die vertikale Integration berücksichtigt das hierarchische Verhältnis, in welchem die Pläne im Unternehmen zueinander stehen. Entsprechend der unterschiedlichen Hierarchiestufen im Unternehmen gibt es Pläne, die in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen. Übergeordnete Pläne stellen einen Handlungsrahmen für untergeordnete Pläne dar, innerhalb derer sie formuliert werden müssen. Es werden folgende drei Stufen unterschieden:

  • Strategische Planung
  • Taktische Planung
  • Operative Planung

Die strategische Planung zielt auf die Planung der grundsätzlichen Entwicklung des gesamten Unternehmens für einen längeren Zeitraum ab. Gegenstand ist die Analyse der Chancen und Risiken der Unternehmung und die Entwicklung von Strategien zur Wahrnehmung der Chancen und Abwehr der Risiken. Der Planungszeitraum erstreckt sich über fünf bis zehn Jahre und ist mit einem hohen Prognoserisiko verbunden, weshalb qualitative Aussagen dominieren. Angesiedelt ist die strategische Planung in der obersten Ebene der Unternehmenshierarchie. Ziel ist die Sicherung bestehender sowie Erschließung neuer Erfolgspotentiale. Es werden keine konkreten Handlungsprogramme entwickelt, sondern ein widerspruchsfreier Rahmenplan geschaffen.

Die taktische Planung konkretisiert die Rahmenvorgaben der strategischen Planung. Gegenstand ist die mittelfristige Kapazitätsplanung sowie deren Optimierung. Es werden Personal und Betriebsmittelkapazitäten festgelegt. Die taktische Planung kann organisatorisch auf der mittleren Führungsebene (Bereichsleitung, Spartenleitung) angesiedelt werden. Ziel ist die Ausarbeitung konkreter operationaler Ziele auf der Ebene der Gesamtunternehmung und ihrer Teilbereiche sowie die Festlegung von Ressourcen und Maßnahmen zur Zielerreichung.

Die operative Planung stellt eine auf kurze Frist ausgelegte Planung der Prozesse zur Leistungserstellung und zum Leistungsaustausch im Rahmen gegebener Kapazitäten dar. Sie ist eine Feinplanung mit dem Ziel der Minimierung der negativen Auswirkungen taktischer Fehlplanung (bspw. Überkapazitäten oder Kapazitätsengpässe). Die hierarchische Eingliederung erfolgt in die mittlere bis untere Führungsebene.
Das arbeitsteilige Konzept aus strategischer, taktischer und operativer Planung trägt wesentlich zur Lösung des komplexen Problems der Gesamtplanung im Unternehmen bei.

Die ineinandergreifende Verzahnung zwischen der strategischen Planung, der taktischen Planung und der operativen Planung bezeichnet man als vertikale Integration.
Der Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Planungsebenen und Zeitraum wird anhand folgender Abbildung visualisiert.

Horizontale und vertikale Integration

Horizontale und vertikale Integration

Bildquelle: vgl. Wöhe (2008), S. 179 – Eingliederung der Planung in die Organisationspyramide

Der Mehrwert

Die verschiedenen Elemente der horizontalen und der vertikalen Integration gehören nicht einzeln abgehandelt und betrachtet. Einen Mehrwert bekommt die Planung in Gänze, wenn die unterschiedlichen Elemente gemeinsam betrachtet werden und verzahnt ineinander greifen. Jedes Element für sich erfüllt einen Zweck im Kontext der Planung. Wichtig ist aber die stringente Verzahnung untereinander. In vielen Unternehmen existieren die einzelnen Planungselemente leider als „Insellösungen“ nebeneinander, ohne Verzahnung untereinander. Mehrarbeit bei der Planung, Geschwindigkeitsverlust bei notwendigen Planänderungen sowie fehlende Transparenz zu Zusammenhängen sind nur einige Nachteile hiervon. Vielerorts sind die zu messenden Kennzahlen auch nicht aufeinander ausgerichtet. Im Idealfall werden aus den strategischen Zielen des Unternehmens die Kennzahlen abgeleitet und bis nach unten in die Ausführungsebene heruntergebrochen, so dass jeder Mitarbeiter im Unternehmen weiß, wie er gemessen wird und welchen Wert er dazu beitragen kann, dass das Unternehmen sein Ziel auf oberster Ebene auch erreicht.

Das war unser Überblick zur horizontalen und vertikalen Integration – viel Stoff zum Lesen :). Das nächste Mal beschreiben wir, wie wir das Ganze konkret bei einem unserer Kunden im Umfeld der strategischen und operativen Vertriebsplanung konzipiert und umgesetzt haben.